Annette Frederking Bildungsarbeit für Mensch und Erde
© Annette Frederking
LÄRCHE – UNESCO Bergpark in Kassel-Wilhelmshöhe Vom Herkules-Monument im Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe steige ich über 500 Stufen hinab zu ihr, der Nationalerbe-Lärche ( https://nationalerbe-baeume.de/project/laerche-im-bergpark-kassel- wilhelmshoehe/ ) und grüße sie aus der Ferne mit einer Körpergeste der Liebe und des aufrichtigen Interesses. Vom Denkmal auf dem Berg bis hinunter in die Stadt erstreckt sich eine deutlich sichtbare stadtplanerische Achse. Gleich nach den Wasserkaskaden mit dem unteren Neptunbassin wird diese von der Lärche und einer Esche eingerahmt und die Bäume fügen der horizontalen, erdnahen Achse eine senkrechte, himmelwärts gerichtete hinzu. Nach der Beschreibung der Lärche im Buch >So alt wie Methusalem< von Andreas Roloff erkenne ich sie schon von Weitem an ihrer Gestalt: wulstiger Stammfuß und abgestorbene Äste in der Krone. Die dicke Stammbasis gibt ihr eine imposante Erscheinung und erinnert an die Lärchen im Hochgebirge, deren mächtige Stammfüße auf überstandene Lawinen hinweisen. Somit werden im Habitus dieser „Bergpark-Lärche“ die Pole Erde und Himmel betont. Als ich sie fotografiere und sie aus der genommenen Perspektive das Herkules- Monument überragt, denke ich, dass nun das Denkmal auf seinen rechtmäßigen Platz verwiesen wird. Am Wegesrand unterhalb ihres Platzes stehen mehrere „Lärchen-Schwestern“. An einer lasse ich mich nieder (li. Foto). Sie fällt auf, weil sie mit einer kleinen Eiche „tanzt“. Von diesem Platz aus richte ich meinen Blick und meine gesammelte Aufmerksamkeit auf die Nationalerbe-Lärche (re. Foto) und schreibe. Der Wind ist mit mir und bestätigt mir wichtige Gedanken und lebendige Worte. Zunächst erinnere ich mich an eine Lärche, der ich mich vor vielen Jahres sehr verbunden fühlte. Sie lebte am Rande unseres Grundstücks und wurde im Rahmen einer Baumaßnahme vom Besitzer gefällt. Wie habe ich um sie getrauert! Welche Freude schenkten ihre lichtgrünen, weichen Nadeln im beginnenden Frühjahr, ihr sanftes Wiegen im Wind und das unvergessliche Gelb ihrer Nadeln vor tiefgrauem Novemberhimmel! Lärchen verzaubern mit ihrem Licht und ihrer Sanftheit, führen in die reiche Welt der Träume, Märchen und Mystik. Es ist so kostbar ihre Unterstützung in unserer technisierten Welt geschenkt zu bekommen! An meinem Schreibplatz unter der Lärche mit der kleinen Eiche, suchen die Baumwesen ebenfalls nach einer Vereinigung unterschiedlicher Kräfte und Ausrichtungen - kräftiger Windstoß! Dann schreibe ich: TIEF IM SCHOSSE DER ERINNERUNG LEBT DIE ZUKUNFT, DIE DU/IHR ERSEHNT! DIESE ERINNERUNG ZU BERÜHREN, BEFREIT VON DER MACHT DER LINEAREN ZEIT. Wind, Wind, Wind, … Die ZUKUNFT ERINNERN, diese Worte durchbrechen unser logisches Denken und doch geht es Ihnen beim Lesen vielleicht wie mir: Sie bringen etwas in mir zum feinen Klingen. Sie erzeugen eine Resonanz in mir, auf die ich lauschen möchte. Wieder daheim lese ich im Buch >Der Geist der Bäume< von Fred Hageneder: „Die Botschaft ist klar: Die Lärche, die wir sehen, ist der Wohnsitz sehr anmutiger, wohlmeinender Wesen, die einer anderen, zeitlosen Ebene des Seins angehören.“ Da bin ich wohl nicht die Erste und Einzige, welche die Lärche in ein anderes Zeitverständnis führte!
Lärche in Kassel